Path: ssilk From: ssilk ät ssilkyway.franken.de (Alexander Aulbach) Newsgroups: ufra.users Subject: Die Joghurtsosse... wo ist sie geblieben? Message-ID: Date: Fri, 02 Feb 1996 23:20:25 CET Reply-To: ssilk ät ssilkyway.franken.de Organization: KNF/Wuerzburg/Ufranken X-Newsreader: Arn V 1.04 Lines: 179 Also, da ich diese Gruppe als Gruppe von Leuten mit ausgewähltem Geschmack und Sinn für die richtigen Worte zur rechten Zeit zu schätzen kennenlernte, richte ich meine hochbrisante Frage an die anwesenden Fachleute. Ich sollte vorher wohl noch ein wenig ausholen, denn um mein Problem zu beschreiben bedarf es einiger Vorinformationen, die dem geschätzen Leser vielleicht nicht ganz geläufig sein dürften. Natürlich will ich hiermit dem Publikum nicht mitteilen, daß es in Wirklichkeit keine Ahnung hat! GOTT BEWAHRE, NEIN! Nein, ich will nur sagen, daß es Dinge zwischen Himmel und Erde (der geneigte Leser anderer Religionen möge diese Redewendung durch äquivalente Begriffe ersetzen) gibt, die selbst ihm entgangen sein dürften. Was ich damit sagen will, ist, daß es oft die alltäglichen Dinge sind, die uns in tiefes Grübeln stürzen. Rätselnd wird man nun vielleicht diesen Absatz zu analysieren versuchen. Ich empfehle aber vorerst ein Weiterlesen der nun folgenden Zeilen: Wie die anwesende Leserschaft vielleicht weiß, stürtzt sich eine kleiner Teil der ufra-Leser jeden Donnerstag in die gluckernden Salzwasserfluten des beheizten Außenbeckens im Wolfgang-Adami-Bad. Unter solch enspannter Athmosphähre werden die vielen Probleme des täglichen Lebens ("HTML ist Scheiße ", "Ein Pentium unter Linux mit 4 MB??? ", "Die neue Festplatte im wuff läuft echt super!", "Amiga wird niemals untergehen ", "Verdammt kalt heute!", "Warum kommen hier eigentlich so selten Frauen mit?") ausdiskutiert. Unstimmigkeiten in einzelnen Diskussionspunkten werden auf der Stelle geklärt, wobei hier das Recht des Stärkeren angewandt wird. Nach solcher körperlichen Anstrengung ist man verständlicherweise hungrig und die Auswahl, diesem Umstand abzuhelfen reduziert sich regelmäßig auf "Mäc oder Kebap?" (Mir fällt hierzu übrigens ein: War schon jemand mal in diesem Kebapchinesen in der Juliuspromenade? Also ich finde der Laden ist ein einziger, lilablaßblau bemahlter Witz, aber der Kebap ist ziemlich gut! Zumindest bei dem Preis.) Jedenfalls waren wir diesen Donnerstag wieder mal im Mäc (Also ich persönlich finde die neue Werbung mit Heino einfach geil). Aus Mangel an Zahlungsmitteln und aus Überfluß an Pfund entschloß ich mich diesmal zu einem *Chef*salat (was sonst?). Mal abgesehen davon, daß ich eigentlich gegen diese ganze Art von Fressen bin (nur was will man Abends um halb elf sonst essen - insbesondere als Student, der es eilig hat?), so ist es doch eine Tatsache, daß der Chefsalat vom Karthäuser nur knapp 2 Mark mehr kostet, man aber 10 x mehr davon hat. Der vorangehende Satz ist übrigens eine Falle, aus der man nicht herauskommt, wenn man nicht diesen Satz hier ließt! Das aber nur nebenbei bemerkt! Wir gingen diesmal also in den McDonald am Marktplatz. Das ist der schönere und die Bedienung dort hat auch mehr drauf - finde ich. Ich nehme normalerweise das, was gerade ausgegangen ist. Weil McDonalds schmeckt nur, wenn es frisch zubereitet ist. Das werden die Deutschen aber nie verstehen. Was gerade aus ist kann man von weitem ganz gut erkennen, aber ab und zu haben sie z.B. keine McRib Verpackungen mehr und nehmen statt dessen McChicken Verpackungen. Manch einer der erlauchten Leser wird jetzt natürlich aufstehen und fragen, was das ganze mit der eigentlichen Geschichte zu tun hat? Geduld! Das hat nämlich wenig bis nichts damit zu tun. Nungut, ich stand dort also am Tresen und bestellte einen Chef-Salat (frisch angemacht - vom Nachmittag (hmja, ich erwähnte glaube ich schon mal den Karthäuser?)). Zwischen mir und der Verkäuferin hinter der Theke legt sich innerhalb von Sekundenbruchteilen eine Spannung. Verkäuferin: "Und welches Dressing möchten Sie?" "Dressing? Achja..." Die Schrift auf der Anzeigetafel da oben ist ziemlich klein und ich suche hektisch darauf herum, wo denn nun der Abschnitt mit den Dressings in kleiner Schrift kommt. In der Zwischenzeit übernimmt mein Kleinhirn die Arbeit und stammelt "...ja, das Diätdressing, mit Joghurt". Anscheinend kann es sich noch an eine Zeit erinnern, als es ein solches Dressing gab. Ich lasse meinem Kleinhirn in solchen Entscheidungen freien Lauf, weil es hat zu etwa 95% immer Recht. Nur der genaue Name scheint Probleme zu bereiten, der ist aber erfahrungsgemäß Nebensache, weil das Dialogsystem der Verkäuferin geschult wurde, durch Rückfragen die Wünsche der Kunden zu erraten. V: "Diätdressing???" Mittlerweile haben meine Augen den Scanvorgang der Anzeigetafel abgeschlossen und die Schriftanalyse wird aufgerufen. Da das noch ein paar Sekundenbruchteile dauert, lasse ich meinem Kleinhirn weiter freien Lauf: "Ja, klar, es gab da drei Dressings und dann noch so ein Viertes, das war das Diätdressing mit Joghurt - oder so ähnlich." Ein schneller Aufruf von "grep *joghurt* Wandtafel.txt -i" offenbahrt auch tatsächlich: Es gibt ein Joghurtdressing und ich klopfe meinem Kleinhirn wieder mal begeistert auf die Schultern. V: "Wir haben aber kein Diätdressing!" Jetzt wird der Fall kompliziert, weil in Notfallsituationen wie diesen gerät mein Kleinhirn in Panik und zittert nur noch vor sich hin 'Argl. Keine Diätjoghurtdressing, und ich war mir so sicher!' Eine genaue Textanalyse der betreffenden Textstelle offenbart dann auch: Es gibt nicht nur keine Diätjogurtdressings, sondern es gibt nur insgesamt DREI (statt vier) Dressings, von denen eins "mit Joghurt" ist. V: "Ich kann ihnen das Joghurtdressing auch mal zeigen?!" Die Verkäuferin läuft zum Kühlschrank und holt eine Packung mit Joghurtdressing heraus und legt sie neben den Chefsalat. Mein Kleinhirn hat sich so weit erholt und meint abfällig: Die Verpackung schaut irgendwie anders aus. "Aber sie hatten doch mal 4 Dressings? Und eine davon war die Diätjoghurt?" V: "Nein, wir haben nur die drei da oben" (wobei meine Augen den entsprechenden Textbereich nochmal scannen und per diff mit dem vorhergehendem Text vergleichen: Er hat sich nicht verändert.) "Haben sie das Dressing vielleicht abgesetzt?" (das war wieder mein Kleinhirn) Die Verkäuferin ist angesicht der gestellten Frage offensichtlich überfordert, aber ihr Notprogramm scheint vom Manager ziemlich gut eingerichtet worden zu sein: "Ich kann ihnen auch die anderen zwei Dressings zeigen!" Da ich nicht reagiere, weil ich damit beschäftigt bin dem Kleinhirn den Mund zu stopfen (es wollte sagen "Wenn ich sie probieren darf, gerne!") holt die Verkäuferin die anderen zwei Dressings und legt sie neben dem Joghurtdressing auf das Tablet. Kleinhirn meint: Nein, die, die ich haben will ist nicht dabei. Großhirn leiert den Zufallsgenerator aus dem Keller. V: "Ist *ihr* Dressing dabei?" Sie betont dabei das "ihr" so merkwürdig und ein kleiner Blick nach hinten auf die Schlange offenbart, daß die Auswahl eines Salatdressings eine ziemlich langwierige Angelegenheit sein kann. Nebenbei bemerkt mein Kleinhirn, daß es ziemlich merkwürdig ist, wenn Nachts um halb elf so eine Masse an Leuten hier was essen wollen. Zwischenzeitlich ist auch der Zufallsgenerator fertig: "Nö, aber ich nehme das Joghurtdressing halt ohne Diät." Stolz, bar meiner enormen Fähigkeit zu schnellen Entscheidungen bezahle ich, nehme das Tablett mit dem Salat, der Gabel und dem Joghurtdressing auf und gehe an den Tisch, wo Fido und Floh sich vor Lachen kaum auf den Stühlen halten können. Die ganze Zeit beschäftigte mich dabei die etrem wichtige Frage: Wohin ist das Diät-Joghurtdressing verschwunden? Leide ich an Haluzinationen? Kleinhirn meint jedenfalls, daß es sich genau erinnern kann. Vielleicht kann mir einer der anwesenden Leser bei der Beantwortung dieser wichtigen Frage helfen? -- SSilk - Alexander Aulbach - Herbipolis - Frankonia Minoris - 0931/58681 For PGP-key write any e-mail to pgp ät ssilkyway.franken.de ! Ich krieg bald ein gratis Killfile-Abo :) (kanaille ät knallie.nbg.sub.org)