From ssilk ät ssilkon.franken.de Tue Apr 25 19:46:02 2000 +0200 Date: Tue, 25 Apr 2000 19:46:02 +0200 (CEST) From: Alexander Aulbach To: gefoekom ät mayn.de Subject: Was passiert... ...wenn man ein Hotelbuchungsprogramm mit einem Bankverwaltungsprogramm kuppelt??? April 2008 Also wahrscheinlich hat das ja jeder schonmal mit einem dieser neumodischen Programme am Telefon gesprochen. Wenn man genau weiß, was man will, dann sind diese Dinger ja nichtmal übel: "Guten Tag, sie sind mit der automatischen Zugreservierung der Deutschen Bundesbahn verbunden. Bitte geben Sie ihr Ziel an." "Hallo, ich hätte gerne eine Platzreservierung für den ICE nach Hamburg" "Wie ist ihre Kundennummer?" "Meine Kundennummer ist xxxxxxxx" "Und ihr Kennwort?" "Das Kennwort ist xxxxxxx" "Für welchen Tag wollen Sie reservieren, Herr Aulbach?" "Dienstag" "Ich nehme an, sie fahren wieder von Würzburg aus. Wollen sie mit dem Zug um 7 Uhr 17 oder 8 Uhr 17 fahren?" "Den um 7." "Vielen Dank Herr Aulbach, eine Bestätigung dieses Gesprächs wird ihnen sofort per E-Mail zugeschickt. Deutsche Bahn - Unternehmen Zukunft" Alles prima soweit. All diesen Programmen ist gemein, dass sie auf eine bestimmte Häufung von Schlüsselwörtern reagieren, ähnlich wie bei einer Schabe: Bei Licht rennt sie los, bis es wieder dunkel ist. Diese Programme hören die Schlüsselwörter "Reseverierung", "ICE", "Hamburg" und damit ist dann alles für sie klar: Der Mann (ja das können die auch unterscheiden) möchte eine Platzreservierung für einen ICE nach Hamburg. Man kann diese Programme ziemlich leicht durcheinander bringen. Z.B. habe ich der Platzreservierung ein andermal gesagt "Hallo, ich hätte gerne eine Platzreservierung für Carmen von Verdi." Als Antwort kam dann "Verdin ist kein deutscher Ort, darf ich sie mit der französischen Eisenbahngesellschaft verbinden, dies verursacht keinerlei Mehrkosten?" Nun hab ich mir neulich mal gedacht, wie es denn nun wäre, wenn man einfach zwei dieser Programme miteinander koppelt. Da fiel die Wahl nicht schwer, ich hatte da nämlich die deutsche Sharewareversion des Hotelreservierungssystems. Ich installierte es schnell, konfigurierte es ein wenig und lies dann meinen Rechner die automatische ITours-Telefon-Reisebuchung anrufen. I: "Guten Tag und Willkommen bei ITours-Reisebuchung. Sie können meine Stimme auch beim Buchen über Internet hören, probieren Sie itours-online.de." Den sich öffnenden Browser klickte ich sofort wieder weg. "Möchten Sie eine Reise buchen, oder wollen Sie zunächst ein Beratungsgespräch?" H: "Guten Tag, Holiday Inn, Würzburg." - so hatte ich die Software konfiguriert - "Sie sprechen mit der automatischen Zimmerreservierung, womit kann ich ihnen Dienen?" I: "Bitte könnten Sie ihre Frage präzisieren, ich kann ihnen gerne bei der Reservierung von Zimmern am Urlaubsort behilflich sein, allerdings ist dies nicht mein Spezialgebiet, ich bin auf die Buchung von Reisen spezialisiert." H: "Danke, dass sie ein Zimmer bei uns reservieren wollen. Zur Zeit sind wir jedoch leider völlig ausgebucht. Sie können sich jedoch schon für morgen Zimmer reservieren. Soll ich ihnen einen Zimmer für morgen reservieren?" I: "Falls Sie ihre Reise morgen antreten wollen, so kann ich ihnen eine ganze Reihe äußerst günstiger Last-Minute Angebote nennen. Zum Beispiel eine Woche Malediven für 1580 Euro. Na, wär das nichts für Sie?" H: "Es tut mir leid, aber wir haben kein Zimmer mit diesem Namen. Für diesen Preis für eine Woche kann ich ihnen aber eines unserer besten Zimmer, den 'Russischen Saloon' anbieten." I: "In dem Preis ist natürlich das Zimmer inklusive. Aber wir haben selbstverständlich auch Last-Minute-Angebote für Russland. So zum Beispiel eine Woche Moskau mit anschließendem Tagestripp nach St. Petersburg für sage und schreibe 1430 Euro. Dieses Angebot gilt nur für heute und nur für Sie!" H: "Es tut mir leid, aber die Zimmer Moskau und St. Petersburg sind für die ganze nächste Woche reserviert." I: "Dann vielleicht östlicher? Wie wäre es mit einem sagenhaften Trip in die Bundesrepublik China? Peking und Honkong mit jeweils 3 Tagen Aufenthalt, sowie eine drei-Tages Tour auf dem Gelben Fluß?" H: "Ja, die Zimmer Hongkong und Peking wären noch frei. Wünschen Sie mit oder ohne Frühstück?" I: "Selbstverständlich sind Zimmer auf dieser Reise immer mit Frühstück. Die Reise scheint ihnen zuzusagen? Soll ich sie in den Warenkorb legen oder wollen Sie die Reise gleich bestellen?" H: "Dann darf ich die Reservierung vornehmen? Eine Woche das Zimmer Honkong oder Peking... auf welchen Namen darf ich bestellen?" I: "Ich bin das ITours-Reisebuchungs-Programm. Wenn sie möchten, dass ich ihnen die Last-Minute-Reise nach Honkong und Peking reserviere, dann bräuchte ich jetzt ihren Namen, bitte." H: "Ich bin Hotelbuchung Holiday Inn, Würzburg. Herr ITours-Reisebuchungs-Programm, wir werden ihnen, sobald Sie sich mit ihrer Kreditkarte nochmals identifziert haben und damit diese Zimmerreservierung bestätigen alles tun, damit Sie sich in unserem Haus wohlfühlen und freuen uns schon auf ihren Besuch." I: "Frau Hotelbuchung Holiday Inn Würzburg. Wir benötigen in der Tat nochmals eine Bestätigung, indem Sie ihre Kreditkarte zur Identifikation in ihren Rechner schieben und auf OK drücken. Wir werden ihnen dann umgehend eine Bestätigung dieser Bestellung zuschicken." H: "Es tut mir leid, aber ich bin ist so konfiguriert, dass ich zur Zeit keine E-Mails versenden darf." I: "Es ist auch überhaupt nicht notwendig uns eine Mail zuzuschicken." H: "Dann auf wiedersehen. Wir wünschen ihnen eine gute Reise und einen angenehmen Tag." I: "Den wünsche ich ihnen auch, nur bitte vergessen Sie nicht die Bestellung zu bestätigen. Wir sind ganz sicher, dass diese Reise eines ihrer Traumerlebnisse sein wird, von denen sie noch Jahre später ihren Enkeln berichten können." Die nächste Idee war dann, das Hotelbuchungsprogramm bei meiner Bank anrufen zu lassen. Nunja, die Geschichte war noch viel, viel abartiger, die hebe ich mit mal auf... PS: Diese Geschichte ist frei erfunden, könnte aber in nur 10 Jahren schon bittere Wahrheit werden.